Begründer des traditionsreichen Wiener Klavierbaubetriebes war ANTON STINGL (11.09.1808). Er erlernte ab 1840 bei seinem Onkel, IGNAZ STINGL, Tischlermeister in Wien, Am Hundsturm Nr. 32, das Tischlergewerbe und machte sich im Jahre 1853 durch Aufnahme einer Claviercorpusmacherei  im Geschäfte seines Oheims selbständig. 1860 Verlegung der Betriebsstätte der prosperierenden Fertigung nach Wien 4., Starhembergg. 28.

1887 Betriebserweiterung und Umgründung in "Gebrüder Stingl", Neubau einer Fabrik in Wien 10., Laxenburgerstr. 32, als zusätzl. Standort, sowie Ausweitung um einen Holzplatz in Wien 10., Ranthartingerg. 3.

1895 erfolgte die Übernahme der Firma J.B.STREICHER & SOHN. Mit der Übersiedlung der Fertigung in den Neuen Streicherhof, Wien 3., Ungargasse 27, wurde die Tradition eines der ältesten Wiener Klavierbauer fortgesetzt.

Ausweitung der Firma, Höchstbelegschaft vor dem I. Weltkrieg rund 400 Mitarbeiter, großer eigener Holzplatz mit Sägewerk, Gründung eines Filialstandortes in Budapest, etc., waren markante Daten. Damit war ab 1909 die Bezeichnung als GRÖSSTE PIANOFORTE FABRIK ÖSTERREICH-UNGARNS gerechtfertigt. Viele Auszeichnungen bestätigten dies. Am 14. April 1900 die Verleihung des Titels eines k.u.k. Hofpianoforte-Fabrikanten (Obersthofmeisteramt, Aktenzahl 3364), die Aufnahme in die Liste der "Kaiserl. u. königl. Hoflieferanten", die Berechtigung zur Führung des Doppeladlers in der Firmierung und auch im Firmensiegel, die "allerhöchste Genehmigung zur Annahme und zum Tragen der Goldenen Medaille des kaiserl. pers. Sonnen- und Löwen-Ordens", Annahme und Führung der Titel "Kaiserl. pers. Hof-Pianoforte-Fabrikant", "Hoflieferanten des König von Serbien", der "Königl. Hoheit des Fürsten von Bulgarien", etc..

Lieferungen erfolgten u.a. an den Hofcapellmeister CARL MICHAEL ZIEHRER, als Ausstatter des Conservatoriums in Budapest, Lieferant des Conservatoriums in Wien (Vorgänger der Akademie, dann Hochschule, nunmehr Universität für Musik und darstellende Kunst Wien), etc. Im gesamten Staatsgebiet der österr.-ung. Monarchie erfolgte der Aufbau eines engen Händlernetzes von Innsbruck bis Galizien, von Triest, Fiume und Sarajewo bis nach Bucarest und Craiova in Rumänien. Damit wurden tw. bis heute lebende Strukturen im europ. Musikinstrumentenhandel geschaffen.

GUSTAV IGNAZ STINGL, ( 1900, + 1960), Sohn von Gustav Stingl, wurde noch im Familienbetrieb in der Ungargasse 27 zum Klavierbauer ausgebildet. Er begründete 1921 unter dem Firmenwortlaut "GUSTAV  IGNAZ STINGL" am Standort Wien 4, Favoritenstr. 17, seine eigene neue Firma. 1923 Übersiedlung nach Wien 4, Wiedner Hauptstr. 16. Im August 1933 wurden die heutigen Räumlichkeiten im Hause Wien 4, Wiedner Hauptstr. 18, bezogen. Die Werkstätten befinden sich ab dieser Zeit in Wien 12, Wolfgangg. 38.

Gründung einer Familien-OHG 1948. Der Charakter eines Familienbetriebes lebt bis heute unter Leitung und im Alleinbesitz eines Neffen des letzten Stingl, Klavierbaumeister GUSTAV IGNAZ SYCH.

In den Zwanziger und Dreißiger Jahren intensive Exporte nach Italien. Knapp nach dem 2. Weltkrieg wieder Lieferungen an die damalige Staatsakademie für Musik in Wien, an die Salzburger Festspiele. In den Fünfziger Jahren reger Export nach Südamerika, Israel und Australien. Seither laufend Lieferungen an renommierteste Ausbildungsinstitute des In- und Auslandes. Beispielhaft angeführt KONSERVATORIUM WIEN PRIVATUNIVERSITÄT, österr. HOCHSCHULEN  UNIVERSITÄTEN FÜR MUSIK WIEN, SALZBURG, GRAZ und INNSBRUCK, Musikwissenschaftliche Fakultäten der UNIVERSITÄTEN WIEN und INNSBRUCK, unzählige PRIVAT-KONSERVATORIEN und MUSIKSCHULEN in ganz Österreich, etc.

Als erfolgreichster Europa-Repräsentant des japanischen Klaviererzeugers KAWAI in den Jahren ab 1994 immer wieder mit der Auszeichnung Händler des Jahres ausgezeichnet. Dieser traditionsreiche Wiener Betrieb hat seine Struktur soweit aktualisiert, dass er sowohl Pianinos eigener österr. Modellentwicklung in höchster musikalischer Qualitätsstufe, als auch eine international auserlesene Auswahl von Marken mit Weltgeltung (Concertflügel von FAZIOLI und GROTRIAN-STEINWEG, Konzertorgeln von AHLBORN) in ganz Österreich anbietet, baut und betreut.

Laufend werden Lieferungen und Leistungen an prägende Persönlichkeiten des internat. und des Wiener Musiklebens erbracht. Aus der Tradition beispielhaft genannt seien Prof. FERDINAND GROSSMANN, BERNARD HERZMANSKY (Musikverlag Doblinger), KS. ALFRED JERGER, LEO SLEZAK, KS. ANTON DERMOTA, KS. LOTTE RYSANEK, KS. RITA STREICH, KS. TERESA STICH-RANDALL, Prof. JOHANNES HEESTERS, Hofrat Prof. FRANZ SCHMIDT, das MILDNER- und ROSÉ-Quartett, WALTER GIESEKING, FRANZ LÉHAR, das HAYDN-TRIO WIEN, Prof. ROBERT STOLZ, ELISABETH LEONSKAJA, ANATOLIJ KARPOV, Lord YEHUDI MENUHIN, etc.